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BIM Institut Wuppertal: „Standardisierung ist wichtig“

Anica Meins Becker
Das BIM-Lab. Bild: Bergische Universität Wuppertal
Die erfolgreiche Anwendung der Methode BIM ist nur ein Teil der digitalen Umwandlung in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Das Prozessmanagement bildet dabei eine wesentliche Säule für die Anwendung der BIM Methodik und der Digitalisierung", so Prof. Dr.-Ing. Anica Meins-Becker im Interview.

Was früher noch in 2D mit Stift und Papier von allen Beteiligten auf der Baustelle bewerkstelligt wurde, wird nach und nach komplett digital. Building Information Modelling (BIM) ist hierbei das Schlüsselwort. Am BIM Institut der Bergischen Universität Wuppertal unter der Leitung von apl. Prof. Dr.-Ing. habil. Anica Meins-Becker lernen die Studierenden, wie sie die BIM Methodik erfolgreich anwenden können.

4builders.: Sehr geehrte Frau Meins-Becker, sie sind Professorin für die digitale Transformation in der Bau- und Immobilienwirtschaft und sind in der Leitung des BIM-Instituts der Bergischen Universität Wuppertal. Wie lange besteht der Fachbereich schon und warum wurde er gegründet?

Anica Meins-Becker: „Das BIM-Institut wurde aus der Initiative des Lehr- und Forschungsgebietes (LuF) Baubetrieb und Bauwirtschaft (Lehrstuhlinhaber Univ. Prof. Dr. Manfred Helmus) der Bergischen Universität Wuppertal, gegründet. Hier wurden bereits seit über 10 Jahren erfolgreich Forschungs- und Lehrprojekte zum Thema BIM, Digitalisierung und Prozessmanagement umgesetzt.

Am LuF war ich circa zehn Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin, akademische Rätin und Oberrätin tätig. Ich habe die Arbeitsgruppe BIM, Digitalisierung und Prozessmanagement geleitet. Aufgrund des Wachstums der Arbeitsgruppe und da auch viele Forschungsarbeiten außerhalb des Baubetriebs durchgeführt wurden, wurde die Gründung eines eigenständigen Instituts beschlossen. Das BIM Institut ist seit dem Jahr 2020 eine eigenständige interdisziplinäre wissenschaftliche Einrichtung für Architekten und Bauingenieure an der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal.“

Was genau passiert im Fachbereich des BIM Instituts?

„Am BIM Institut arbeiten circa zehn wissenschaftliche Mitarbeitende verschiedener Fachrichtungen in Teams zusammen. Die Teams bestehen aus Architekten, Bauingenieuren, Wirtschaftsingenieuren, Elektrotechnikingenieuren und Informatikern. Hier werden anwendungsorientierte Forschungsprojekte in den Bereichen BIM, Digitalisierung und Prozessmanagement für die Bau- und Immobilienwirtschaft umgesetzt. Neben den Forschungsprojekten werden auch Aus- und Weiterbildungen durchgeführt.“

Im BIM Institut sind außerdem verschiedene Labore integriert und vernetzt. Hier finden die Studierenden verschiedene Soft- und Hardware für das Erlernen der Methode BIM vor.“

Worum geht es bei Ihren Aufgabenfeldern BIM, Digitalisierung und Prozessmanagement?

„Die erfolgreiche Anwendung der Methode BIM ist nur ein Teil der digitalen Umwandlung in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Das Prozessmanagement bildet dabei eine wesentliche Säule für die Anwendung der BIM Methodik und der Digitalisierung im Allgemeinen. Daher stehen alle drei Begriffe im engen Zusammenhang. Die Forschungsprojekte am BIM Institut beschäftigen sich mit allen drei Bereichen getrennt sowie kombiniert zueinander.“

Ihr BIM Institut bietet den Studierenden eine große Bandbreite an Projekten. Worauf liegt Ihr Fokus?

„Um die Studierenden der Architektur und des Bauingenieurwesens bestmöglich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten wurde die Methode BIM fest im Ausbildungskonzept der Masterstudiengänge “Architektur” und “Planen, Bauen und Betreiben” an der Bergischen Universität Wuppertal integriert. Unter der Federführung von Prof. Holger Hoffmann (Lehrgebiet Darstellungsmethodik und Entwerfen) und mir wird ein fachdisziplinübergreifendes Projektmodul mit dem Schwerpunkt BIM geschaffen.

Im Rahmen dieses Moduls soll den Studierenden die Methode des Building Information Modelings entlang des Lebenszyklus von Immobilien aus Sicht der verschiedenen Akteure (Bauherr, Planer, Bauunternehmer, Facility Manager etc.) vermittelt werden. Eine gemeinsame Projektarbeit zwischen den Studierenden der Architektur und des Bauingenieurwesens soll dazu beitragen, das Erlernte praxisnah umzusetzen und den Teamgeist fördern.

Weiterhin bietet das BIM-Institut gemeinsam mit der List Gruppe seit 2019 die BIM SUMMER SCHOOL für Masterstudierende der Architektur und des Bauingenieurwesens als neue Ausbildungsinitiative an, um den Studierenden wichtige Kenntnisse im Bereich BIM zu vermitteln und sie so auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten.

Das BIM-Institut ist ferner mit dem Kurs “Grundlagen und Anwendungsfälle der Arbeitsmethode BIM” anerkannter Schulungspartner nach den Anforderungen des internationalen Zertifizierungsprogramm “Professional Certification – Foundation” von buildingSMART International sowie der VDI-Richtlinie VDI/bS-MT 2552 Blatt 8.1.“

Das klingt nach einem sehr abwechslungsreichen Programm. Wie praxisnah forschen Sie dabei?

„Unser Ziel ist es stets gemeinsam mit und für die Praxis zu forschen. Beispielsweise haben wir eine Modellierungsrichtlinie für die Fachmodelle der Architektur und der TGA (Technischen Gebäudeausrüstung) inklusive Prüfregeln erarbeitet. Außerdem haben wir einen umfangreichen Katalog zur Identifikation, Kontrolle und Steuerung von Risiken für Bauherren und Bauausführende sowie die BIM Handlungsempfehlung für die Kommunen in Nordrhein-Westfalen erstellt.

Aktuell bearbeiten wir auch ein Projekt zum Nachweis der BIM Effizienz im Vergleich zu konventionellen Methoden am Beispiel der Kostenberechnung und der Angebotskalkulation.“

Neben Ihrer wissenschaftlichen Karriere engagieren sich in zahlreichen Gremien zur Standardisierung der Methode BIM?

„Ich engagiere mich, da ich die weitere Standardisierung im Bereich BIM als besonders wichtig ansehe. Wesentliche Themen, die mich aktuell beschäftigen, sind hier die Standardisierung der Lehrinhalte für Aus- und Weiterbildungen sowie deren Zertifizierung. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Vereinheitlichung des Verständnisses zu BIM Anwendungsfällen. Hierzu führen wir aktuell auch ein Forschungsprojekt durch. Dafür haben wir einen Arbeitskreis gemeinsam mit VDI (Richtlinie vom Verein Deutscher Ingenieure) und DIN (Deutsches Institut für Normung) zur Erstellung einer Expertenempfehlung initiiert.“

Gibt es Problemzonen bei der Standardisierung von BIM?

„Problemzonen im Bereich der Standardisierung kann man so nicht sagen. Wir sind in Deutschland aus meiner Sicht sehr gut im Standardisieren. Im Bereich des Building Information Modelings ist noch viel zu tun. Jetzt ist ja auch die Normungsroadmap BIM veröffentlicht worden. Es geht also voran.“

Vielen Dank für das Interview mit Ihnen.

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