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Was ich bisher über BIM nicht zu fragen gewagt habe

Ein Architekt zeichnet einen Plan auf Papier. Mit BIM gehört das der Vergangenheit an.
BIM verbessert die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten. Papierpläne gehören damit der Vergangenheit an. Quelle: Daniel McCullough, Unsplash
An BIM kommt die Baubranche kaum noch vorbei. Architekten, Ingenieurinnen, Bauherren – alle nutzen es. Fragen zur Thematik gibt es trotzdem etliche. Wir beantworten acht von denen, die sich keiner zu stellen traut.

Wer erstellt ein BIM-Modell? Brauchen alle die gleiche Software? Was ist, wenn sich die Modelle nicht zusammenführen lassen? Und wird CAD jetzt bedeutungslos? Antworten auf acht Fragen rund um Building Information Modeling.

BIM: Was ist das überhaupt?

BIM ist die Abkürzung für Building Information Modeling. Es ist eine Methode, mit der Bauherren, Architekten, Fachplaner, die ausführenden Gewerke, die Gebäudebetreiber – kurzum: alle an einem Bauprojekt Beteiligten – zusammenarbeiten.

Das heißt: Alle arbeiten gemeinsam in einem digitalen 3D-Modell des Bauvorhabens. Statt riesiger schriftlicher Pläne gibt es eine Cloud-Plattform, auf der alles gespeichert, einsehbar und veränderbar ist. Und über die die Projektbeteiligten miteinander kommunizieren. Durch den ständigen Austausch können zum Beispiel Kollisionen von Gewerken frühzeitig entdeckt und noch vor dem Spatenstich behoben werden.

BIM und digitaler Zwilling: Ist das das Gleiche?

BIM ist nicht das Gleiche wie der digitale Zwilling. BIM ist der Prozess, die Methode, mit der die Projektbeteiligten zusammenarbeiten. Der digitale Zwilling dagegen beschreibt das 3D-Modell, eine virtuelle Version des realen Gebäudes. Dieses lässt sich immer wieder für Simulationen verwenden und anpassen. So kann man zum Beispiel simulieren, wie sich ein Gebäude an einem anderen Standort verhält.

Wer erstellt das BIM-Modell?

Das Haupt-Modell des geplanten Gebäudes erstellt auch bei BIM in der Regel der Architekt. Anschließend gibt er es an die Fachplaner weiter, die wiederum ihre Gewerke einarbeiten. Ob ab diesem Punkt alle gleichzeitig in einem gemeinsamen Modell arbeiten oder jeder separat im eigenen Modell werkelt und diese später über eine neutrale Schnittstelle zusammengeführt werden, ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Am effizientesten ist es, wenn alle gleichzeitig in einem Modell arbeiten.

Brauchen alle, die im BIM-Modell arbeiten, die gleiche Software?

Um gemeinsam in einem BIM-Modell zu arbeiten, brauchen die Projektbeteiligten nicht zwangsläufig die gleiche Software. Es kann jedoch sein, dass der Auftraggeber vorschreibt, dass alle ein bestimmtes Programm benutzen. Unabhängig davon ist jedoch wichtig, dass jede Software die vorgegebene Schnittstelle hat, also das gleiche Dateiformat erstellen kann.

Welche Schnittstelle das ist, gibt in der Regel der Auftraggeber vor. Meistens ist es der internationale Standard IFC (Industry Foundation Classes). Der Auftraggeber kümmert sich zudem fast immer um die Cloud beziehungsweise Plattform, auf der alle Modelle und Daten zusammengeführt und gespeichert werden. Auch Themen wie die IT-Sicherheit gehören in sein Aufgabengebiet.

Lässt sich im BIM-Modell jede einzelne Schraube darstellen?

Die Darstellungen im digitalen 3D-Modell reichen von technischen Anlagen und Installationen über Trassen und Durchbrüchen bis hin zu einzelnen Bauteilen. Doch jede einzelne Schraube lässt sich (noch) nicht darstellen. „Die Frage ist auch, ob das sein muss“, sagt Inga Stein-Barthelmes, Geschäftsführerin von planen-bauen 4.0.

Denn am Ende müsse das Modell alles abbilden, was für den reibungslosen Bau und Betrieb des Gebäudes wichtig sei. Also zum Beispiel Informationen darüber, wo welche Leitungen entlanglaufen, wo es Fenster oder Heizungen gibt. Eventuell unnötige Daten wie einzelne Schrauben könnten das Modell zu komplex werden lassen. Und sie nehmen eine Unmenge an Speicherplatz ein.

Welche Rolle spielt CAD in einer BIM-Welt?

BIM erweitert im Endeffekt CAD. Anstatt dass der Architekt alleine in seinem CAD-Modell arbeitet, arbeiten bei BIM alle Projektbeteiligten gemeinsam im 3D-Modell. Je nach CAD-Software kann diese auch bei BIM genutzt werden. Voraussetzung ist, dass sie die vorgegebene Schnittstelle hat.

Kann es passieren, dass sich BIM-Modelle nicht zusammenführen lassen?

Wenn die Schnittstellen nicht zusammenpassen, die BIM-Modelle also unterschiedliche Dateiformate haben, können sie nicht zusammengeführt werden. „Im Best Case passiert das nicht“, sagt Stein-Barthelmes. Denn um die Modelle in solch einem Fall zusammenzuführen, müssen die Daten geändert werden. Und das ist sehr aufwendig. Trotzdem kommt genau das laut Stein-Barthelmes in der Praxis recht häufig vor.

Brauche ich eine bestimmte Ausbildung, um mit BIM arbeiten zu können?

Der Begriff BIM ist nicht geschützt. Theoretisch kann sich also jeder BIM-Manager, BIM-Koordinator oder ähnliches nennen. Stein-Barthelmes empfiehlt trotzdem, eine Weiterbildung zu machen. „Nur weil ich Architekt oder Ingenieur bin, kann ich noch nicht automatisch BIM“, sagt sie. Denn bei BIM gehe es nicht nur um ein digitales 3D-Modell. Auch die Arbeitsabläufe, die Zusammenarbeit und Kommunikation veränderten sich.

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BIM: Keine Angst vor dem System

BIM reformiert die Art und Weise, wie Ingenieurinnen, Architekten, Bauherren, Planerinnen und Handwerker zusammenarbeiten. Damit Building Information Modeling funktioniert, müssen alle Beteiligten es verstehen. Dafür braucht es Menschen, die sich trauen, Fragen zu stellen. Und andere, die sie beantworten. Dann ist BIM in der Baubranche ein Gewinn für alle.

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Autor/Autorin

Vanessa Möller, freie Autorin für 4builders.net
Vanessa Möller
Freie Autorin für 4builders.
Vanessa Möller schreibt als freie Mitarbeiterin für die 4builders.-Redaktion. Sie arbeitet als freie Journalistin, Redakteurin und Texterin in Würzburg und ist Lehrbeauftragte im Masterstudiengang „Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Zuvor hat sie VWL und Wirtschaftsjournalismus an der Universität Würzburg studiert und bei der Neuen Zürcher Zeitung in Zürich in den Redaktionen Wirtschaft, Ausland und Newsroom volontiert. Sie beschäftigt sich vor allem mit Themen aus den Bereichen Wirtschaft, IT und Digitalisierung.

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